Der letzte linke Kleingärtner, Teil 12: Wühlmäuse und Hamas

Ich kann mir nicht helfen, aber jedes Mal, wenn ich vom Tunnelsystem der Hamas höre, fällt mir das Tunnelsystem in meinem Garten ein: gesponsort und gebaut von den Wühlmäusen. Ich habe sie nicht eingeladen und wir sind uns spinnefeind. Ich sehe sie nicht, aber beim Graben im Garten – insbesondere um Kartoffeln, Möhren, Rote Beete oder Pastinaken zu ernten – stoße ich immer wieder auf ihr perfides Tunnelsystem. Perfide deshalb, weil sie mir die genannten Früchte weg futtern. Sie geben sich nie mit einem kleinen Anteil zu frieden. Sie fressen einfach alles weg. Was kann man gegen diese gottverdammte Schweinebande – das Lektorat möge mir meine Ausdrucksweise nachsehen – nur tun? Fallen aufstellen ist eine Variante. Die Fallen ködert man dann mit Hilfslieferungen, also kleinen Häppchen der genannten Früchte. Das System funktioniert leider nur teilweise: Sie fressen die Häppchen weg und vermeiden es, in die Falle zu gehen. Das ist jedes Mal keine gefühlte, sondern eine lupenreine und echte Niederlage für mich als Kleingärtner. Pro Gartensaison häufen sich diese Niederlagen und werden zu einer unerträglichen Last, die mich schier erdrückt und in ein inneres Tal hinabzieht. Ich, der große linke Kleingärtner, der so gescheit ist, wie kaum jemand vor mir und bestimmt nie wieder jemand nach mir, muss sich den Wühlmäusen geschlagen geben. Gut, ab und an geht mal eine in die Falle. Aber das geschieht selten und hat wenig Einfluss auf die Population. Eine zweite Möglichkeit, die Bande zu bekämpfen, ist das häufige Graben und Umspaten im Garten. Das vertreibt die niedlichen Tierchen zwar nicht, reduziert aber wegen der Zerstörung ihrer Gänge ihren negativen Einfluss in meinem Garten. Wenn sie immer wieder mit dem Neuanlegen der Gänge beschäftigt sind, können sie in der gleichen Zeit nicht so viele meiner Früchte futtern. In der Tat, der ständige Bekämpfungsdruck reduziert zwar ihren schädlichen Einfluss, macht ihn aber auch nicht komplett ungeschehen. So richtig befriedigend ist das nicht für mich. Mal ganz abgesehen von meiner kostbaren Lebens- und Gartenzeit, die ich dafür aufwenden muss. 

Bleibt als dritte Methode – alleine oder in Kombination – die Armee meiner Hühner. Wie was, eine Hühnerarmee soll Wühlmäuse bekämpfen? Ja, das geht, aber wie die beiden anderen Systeme ebenfalls nicht mit dem hundertprozentigen Erfolg. Vielleicht muss ich mich auch davon verabschieden, die in meinem Kopf herumwabernde tabula rasa hinzubekommen. Zurück zu den Hühnern: Mir ist aufgefallen, dass in den Teilen des Gartens, in denen meine Hühner unterwegs sind, je nachdem wie ich das Freilaufgehege stecke, weniger Wühlmäuse unterwegs sind. Wie funktioniert das? Fressen die Hühner diese Schädlinge? Nein, leider nicht. Aber Hühner haben die Angewohnheit, oberirdisch ständig im Erdreich herum zu scharren. Und genau das mögen die Wühlmäuse nicht und verziehen sich, weil sie sich in Gefahr sehen und nicht ungehindert ihrer Leidenschaft nachgehen können, die daran besteht, unentwegt Gänge zu graben. Leider haben sie kein großes Gedächtnis wie unsereiner, vergessen das Schergeräusch der Hühner und kommen wieder. Dann lasse ich die Hühner wieder ran. Dieses gefühlt niemals endende Kommen und Gehen der Hühner wie der Wühlmäuse könnte immerfort so weitergehen. Dummerweise kann ich aber in dem Teil des Gartens, in dem die Hühner am Scharren sind, nichts anbauen, da diese jeden Fruchtansatz und den Samen wegscharren würden. Was tun? Guter Rat ist teuer, ist nicht einfach und bringt in keiner Variante das völlige Verschwinden von Wühlmäusen. Letztlich hilft nur ständiger Bekämpfungsdruck von allen Seiten und die Anwendung verschiedener Systeme. 

Wenn man den Druck aufrechterhält, ihnen ihre Grenzen aufzeigt – bis hierhin und nicht weiter - aber eben auch kapiert, dass man sie nie alle wegbekommen wird, kann es einigermaßen funktionieren. So könnte es im Kampf gegen das Tunnelsystem der Hamas geschehen: Bekämpfungsdruck erhöhen, verschiedene Hilfsmittel einsetzen, manchmal einen Umweg gehen, der nicht jedem plausibel erscheint, aber eben auch das rustikale Handwerkszeug nicht vergessen. Ich werde mir jedenfalls genau anschauen, was Israel noch dazu einfällt und davon lernen. 

Der Kampf gegen Wühlmäuse ist international. Und irgendwann einmal wird die industrielle Tierzüchtung, die ich wegen ihrer Orientierung am Hochertrag eigentlich nicht mag, aus meinen Hühnern regelrechte Kampftiere machen mit großen Krallen und Schnäbeln, dass sie damit Wühlmäuse jedweder Art problemlos aufspießen können. Dann würde ich geschäftlich umsatteln, in die Hühnerzucht einsteigen und viermal im Jahr Schiffsladungen mit mehreren Containern voller Kampfhühner nach Israel verkaufen. Und so würde ich den Frieden auf Erden bringen. 

Drei Praxistipps für den Garten:

1. Mit Hühnern kannst du Wühlmäuse vertreiben. Ein bisschen. 
2. Der Spaten hilft gegen Wühlmäuse. Ein bisschen. 
3. Mit Fallen fängt man Wühlmäuse. Ein bisschen. 

Roland Röder ist Geschäftsführer der Aktion 3.Welt Saar e.V. (www.a3wsaar.de), einer allgemeinpolitischen NGO in Deutschland, die bundesweit arbeitet, u.a. zu Landwirtschaft, Asyl, Migration, Islamismus, Antisemitismus, Fairer Handel. Er mag den Begriff „Hobby“ nicht und lebt einen Teil seines Lebens als aktiver Fußballfan. Die Gartenkolumne erscheint auch in der Luxemburger Wochenzeitung WOXX .