Welche Eigenschaften haben die journalistischen Seelen auf diesem Wege?
Edle Einfalt, stille Kraft und unverbrüchliche Gründlichkeit.
Wie beweist sich die edle Einfalt?
Sie lehrt die journalistische Seele, unter den Schätzen medialer Gunstbezeugung so zu wandeln, dass sie ihr Herz nicht daran haften lässt – denn Heimat ist, wo das Herz ist (ubi cor ibi patria). Solche Einsicht zielt als intentia recta auf die Dinge selbst – so sie nicht von den dämonischen Kräften der Reflexion (intentia obliqua) abgelenkt wird, die zugleich verdunkelt (intentia obscurans). Das Herz aber ist weise: Es weiß, was es will und es will, was es hat. Doch muss es wachsam sein: Schon Paulus warnte, dass sich Satan als Engel des Lichts tarnt. Traue dem alten Verführer daher nicht, wenn er mit glatter Zunge spricht: »Journalismus benötigt dringend Unterstützung.«1 Wer könnte die Ohren vor honigsüßen Worten verschließen, die schmeichelnd sagen: »Demokratien benötigen eine hohe Qualität der Öffentlichkeit, um funktionieren zu können […] Journalismus spielt dabei eine Schlüsselrolle«. Und es mag zunächst verlockend klingen, wenn es heißt: »Gefördert werden nicht mehr Medien schlechthin, sondern Journalismus für die Herstellung qualitätvoller Öffentlichkeit als demokratische Infrastruktur.« Ist dann noch die Rede davon, dass »die in viele unterschiedliche Maßnahmen zersplitterten Medienförderung« vereinheitlicht wird und die Fördervergabe »unabhängig – regierungs- und staatsfern – durch eine Expert:innen-Kommission, die von einem Senat bestellt wird, geregelt« wird, deren Entscheidungen transparent »mit laufender Begründung […] und […] Ergebnisberichten« getroffen werden, klingt das nach Himmel auf Erden. Herz, was willst du mehr? Doch der Teufel steckt im Detail – es empfiehlt sich demnach, abzuwarten und auf Bestehendem zu beharren: You do you!
Da die journalistische Seele in diesem Stande gar nichts zu thun scheinet, könnte man nicht daraus schließen, ihr Zeugnis sey ein ganz müßiges?
Die journalistische Seele wäre allerdings müßig, wenn sie gar nichts wirkete; aber dieses haben wir nicht gesagt, sondern wir sagen bloß, dass sie nicht leichtfertig Bewährtes aufgeben solle, um Träumen nachzujagen, denn »ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe« (Prediger 9,4). So mag es nach einer Aufwertung der Branche und einer Verbesserung redaktioneller Arbeit klingen, wenn »Journalistische Qualität, die Einhaltung ethischer Prinzipien und publizistischer Verantwortung und eine garantierte innere Medienfreiheit in Redaktionen« zur Voraussetzung werden, »um überhaupt förderwürdig zu sein.« Mit Qualität ist aber nicht die der Schlagzeilen gemeint, welche sich selbst dem ungeübtem Blick eindeutig offenbart wie ein brennender Dornbusch: So wird niemand bestreiten, dass ein Aufmacher wie »Die Weissmann-Chats. Dick-Pics, Drohungen, Druck: Wie der ehemalige ORF-Chef eine Mitarbeiterin jahrelang sexuell belästigte« (Falter, 22.4.2026) allein aufgrund seiner kunstvollen (Tripple!-) Alliteration für höchste Güte bürgt. Dagegen sind Kriterien wie »Unabhängigkeit, Verantwortlichkeit, Professionalität und Relevanz« eine Form unpersönlicher Operationalisierung, gegen die das Gemüth aufrechter Christenmenschen rebellieren müsste – denn der Herr sprach: »Wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, dem wird man auch das nehmen, was er hat.« (Markus 4,25)
Worin besteht die Kraft und Wirksamkeit dieses Weges?
In seiner astronomischen Beharrlichkeit, die der des himmlischen Uhrwerks gleicht. Alle Aktanten im Netz der Medienförderung sind durch Beziehungen aneinander gebunden und natürlich kann man dies »politische Abhängigkeiten und Gefälligkeiten« nennen oder »Korruption und Missbrauch«. Es ist aber auch ein System wechselseitigen Gebens und Nehmens zwischen den Beteiligten, ein – frei nach Kant – commercium mediale, eine Verbindung zum lebenswierigen, wechselseitigen Besitz ihrer Propagandaeigenschaften. Politisch Verantwortliche (die das auch bleiben wollen) zeigen sich durch Inserate erkenntlich und Medien verhelfen im Gegenzug engagierten Volksvertretern zu einer gedeihlichen Laufbahn. Das ist Berichterstattung aus Geselligkeit und nicht Gefälligkeit und schon gar kein Akt von Straffälligkeit. Kein Problem ist kein Problem ist kein Problem!
Woher erweist sich die Gründlichkeit dieses Weges?
Eben aus seiner Wirksamkeit, denn wenn alles so bleibt, wie es ist, entstehen weder Aufwand noch Unruhe. Es ist eine Schande, dass die Welt der Medienförderung nur die beste aller real möglichen ist und nicht auch die beste aller denkmöglichen. Man rührt nicht an Perfektion – never mess with success! Wo kommen wir denn hin, wenn Qualitätsstandards eingeführt würden, an die sich Medienunternehmen zu halten haben, um Geld zu bekommen, das ihnen allein deshalb zusteht, weil sie es wollen. Alles andere widerspräche dem Gesetz der Anziehung, einer kosmischen Tatsache! Zudem gibt es zwei Gründe, weiterhin das Füllhorn über dem Boulevard auszuschütten – ohne ihn durch Vorgaben (Mitgliedschaft im Presserat oä.) zu knebeln:
Erstens schlägt Quantität zwingend irgendwann in Qualität um. So, wie – gemäß einem Satz, der mit dem großen deutsch-demokratischen Philosophen Walter Ulbricht in Verbindung gebracht wird – eine Idee aus der Verbindung von zwei Zitaten besteht, emergiert aus zwei (oder mehr) Hofberichten (Homestories) ein tieferes Wissen um die Wirklich-keit. Zweitens gilt das wegweisende Gesetz der großen Zahl (vox populi, vox dei): So wie mehr als sechs Millionen Wallfahrtsgäste pro Jahr Zeugnis geben, dass in Lourdes Wunder geschehen, beweist die Auflage, dass der Boulevard im Recht ist.
Zum Glück wird diese Reform gar nicht erst abheben, da ihre Flügel aus Blei gegossen sind: Die »unabhängige Journalismusförderkommission«, welche für die Mittelvergabe zuständig wäre, soll sich zusammensetzen aus sieben Mitgliedern, die fachlich kompetent und unabhängig sein müssen, weshalb sie »von einem Senat bestellt« werden, welcher wiederum selbst nicht unter politischer Einflussnahme stehen sollte, weshalb dieser Auswahlsenat von unabhängigen »Einrichtungen mit wissenschaftlicher Expertise« (ÖAW, uniko, etc.) beschickt werden soll. Der Versuch, ein durchgängiges »Arm‘s-length-Prinzip« zu etablieren bildet ein Münchhausen-Trilemma und das endet (bzw. eben nicht) entweder im Zirkel (Gremien bestellen sich gegenseitig), infinitem Regress (unendlicher Instanzen-Reihe) oder aber man bricht die Kette – wie hier vorgeschlagen– an einer Stelle dogmatisch ab. Politische Einflussnahme wird daher da ansetzen oder irgendwo along the way. Noch wahrscheinlicher ist, dass die Sache versandet, weil keine Einigung zu den Bestellungs-modalitäten gelingt.2 Kurz: Es wird – wenn überhaupt – eine verwässerte (österreichische) Lösung geben, die an der Situation nichts ändert, aber Geld und Zeit kostet. Und sie wird in ihrer Erbärmlichkeit glorreich sein.