Versorgerin: Neben vielen anderen Publikationen findet sich im DATASPACE auch die Versorgerin indexiert (was uns sehr freut), bzw. auch als Digitalisat auf archive.org. Was ist der Anspruch des DATASPACE (insgesamt & bei der Auswahl) und in welchem Kontext seht ihr ihn (etwa, was andere Initiativen angeht)?
Infoladen Leipzig: DATASPACE ist zunächst schlicht der Name des Onlinekataloges, den wir im Infoladen Leipzig verwenden, um unsere Bestände durchsuchbar zu machen. Die Vorgeschichte des Infoladens lässt sich bis in die im Jahr 1992 besetzten Häuser in Connewitz zurückverfolgen und dementsprechend hat sich bei uns in den Regalen alles Mögliche abgelagert. Wir können nicht mal mehr genau sagen, die wievielte Generation das Projekt derzeit betreut. Ähnlich verhält es sich mit den Digitalisaten, die wir auf archive.org in den vergangenen Jahren zusammengetragen haben; es dürften mittlerweile über 20.000 .pdfs sein. Dabei wurde nur ein geringer Teil von uns in den letzten Jahren neu digitalisiert. Vieles andere fanden wir verstreut im Netz: auf alten, tief vergrabenen Unterseiten von nadir.org, bei der Bibliothek der Freien in Berlin, im mittlerweile vom Netz genommenen MAO-Archiv und auf dutzenden verwaisten Internetseiten. Gesammelt, sortiert und weitergegeben wurde also schon lange vor unserer Zeit. Was dabei unter die Räder gekommen ist und was weitergetragen wurde, hängt also nur in geringem Maße von uns ab. Daher beherbergen wir im Infoladen Leipzig eine recht „wilde“ Sammlung, die von dem Interim bis zur Sans Phrase und von den Lateinamerikanachrichten bis zur Sunzi Bingfa reicht.
Zudem muss man vielleicht erwähnen, dass der Infoladen Leipzig über die Jahrzehnte einen starken Archivcharakter angenommen hat, was wohl mit dem Standort am Rande der Stadt zu tun hat, an einem Ort, der eher für seinen Konzertbetrieb und Szeneknatsch bekannt ist; oder auch damit, dass Infoläden weniger Orte der Diskussion sind, und wie aus einer anderen Zeit erscheinen, weil die Bedeutung von manifesten Erfahrungsschätzen, um die aktiv gerungen wird, nicht so hoch im Kurs steht. Im Unterschied zu vielen anderen Archiven im Bereich der sozialen Bewegungen haben wir aber einen Kerngedanken der Infoladenbewegung beibehalten: Die Dinge müssen weitergegeben werden. Denn manche Archive sind ja auch ein bisschen wie ein Schwarzes Loch: Sie saugen die Dinge auf und wenn man was benötigt, ist es vielleicht besser auffindbar als bei uns, man kommt aber nur noch schwer ran. Verschicken und digitalisieren steht bei ihnen nicht gerade hoch im Kurs.
Ein paar thematische Eckpfeiler zu unserem Archiv kann man aber schon nennen: Unsere Sammlung endet in etwa dort, wo die Partei beginnt; Kritische Theorie und Ideologiekritik von und an der Linken hat ein starkes Gewicht bei uns, wir wildern aber auch in anderen Gefilden, etwa bei den französischen Linkskommunisten. Oft sind es auch Zufälle, wann und ob wir auf etwas stoßen; die Versorgerin haben wir zugegeben erst spät entdeckt und sind daher noch dabei, sie in der Datenbank nachzutragen. Dank der guten Webpräsenz und der .pdf Ausgaben geht das übrigens bei uns mittlerweile teilautomatisiert, indem wir uns die Artikelliste von eurer Homepage und die Inhalte aus dem .pdf auslesen.
Wie lange gibt es den Dataspace & wie hat er sich entwickelt (organisatorisch aber auch technisch)?
DATASPACE – die Optik der Homepage verrät es vielleicht –, hat tatsächlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Online gegangen ist der Katalog im Jahr 2000 und seither wird dieser kontinuierlich mit Daten gefüttert. Stand derzeit: 266.700 Datensätze. Ein Datensatz ist dabei etwa ein Buch, Plakat, Audiovortrag oder ein Zeitschriftenartikel. Letzteres ist tatsächlich eine Besonderheit: Auf DATASPACE werden Zeitschriften, Periodika und Aufsatzsammlungen auf Artikelebene eingegeben, da nur so gewährleistet wird, dass wirklich nach Inhalten gesucht werden kann, statt nur wie in den meisten Archiven zu erfassen, dass bestimmte Ausgaben einer Zeitschrift im Bestand vorhanden sind. Die Arbeit steigt dadurch leider ins Unermessliche und wir kommen mit dem Abarbeiten von ca. 40 Zeitschriftentiteln derzeit nicht mehr wirklich hinterher.
Und damit kommen wir zu der eigentlichen Idee, die hinter DATASPACE steckt: Es war einst als ein kollektives Projekt gedacht, in dem verschiedene Infoläden ihre Bestände erfassen und sich damit die Arbeit untereinander aufteilen. Wurde ein Datensatz von einem Archiv eingegeben, kann ein Anderes diesen einfach zu seinem Bestand hinzufügen. Die Homepage und die dahintersteckende Datenbank wurde mittels mySQL und PHP komplett in Eigenregie programmiert. Man munkelt, eine Maßnahme vom Arbeitsamt war damals ausschlaggebend. Im Jahr 2000 war das tatsächlich ein höchst innovatives Projekt, da kommerzielle Lösungen für dezentrale Kataloge noch nicht auf dem Markt waren. Über die Jahre sind dann auch etwa fünfzig andere Infoläden und kleinere Archive dem Projekt beigetreten und haben Teile ihrer Bestände erfasst. Zuletzt etwa der Infoladen in Frankfurt, der etwa 10.000 Einträge im Bereich Antirassismus beigetragen hat. Zudem wurden bereits vorhanden Daten von älteren Archiven wie der TtE-Bücherei in Köln oder dem Papiertiger in Berlin in DATASPACE integriert.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass eine kontinuierliche Arbeit an der Datenbank leider nur in Leipzig stattgefunden hat. Derzeit wird das Projekt von kaum einer Hand voll Leuten betreut, die sich als Archivgruppe an jedem Freitag von 16-20h im Infoladen Leipzig im Conne Island trifft. Für weitere Fragen zum Thema DATASPACE, schreibt uns gern unter leipzig@infoladen.de.
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Der DATASPACE des Infoladen Leipzig findet sich unter: https://ildb.nadir.org/
Zum Schutz vor KI-Bots ist ein Login nötig – Name und Passwort sind auf der Startseite oben angegeben. Neben der Datenbank mit den indexierten Publikationen sind dort auch die Links zu den vorhandenen Digitalisaten auf archive.org zu finden.