
Filmstill Herzblutwiese Stadtwerkstatt
Claudia Dworschak: Es fühlt sich großartig an. Jetzt wird es spannend, wie das Publikum darauf reagiert. Es ist ein Film aus mehrfach subjektiver Perspektive. Ging auch gar nicht anders. Die Betrachtung der Vergangenheit ist zu oft von Einzelnen dominiert und meist männlich konnotiert. Es ging es uns bei der Erzählung auch um eine spezielle Form der Aneignung dieser Vergangenheit, eben aus feministischer Perspektive. Wie im Film erwähnt wird, handelt es sich um »... eine Geschichte der Brüche und der Lücken …« und so hoffen wir im besten Fall auf viel Redebedarf nach dem Kinobesuch.
Interessant war auch zu sehen, dass es immer schon verschiedene Formen des Feminismus gab. Erfrischend radikale Ansätze waren in dieser Anfangszeit der STWST genauso dabei, wie absurdere Fragestellung: nämlich, ob Kinder kriegen nicht Verrat am Feminismus bedeuten würde. Dabei leider auch immer wieder die Erkenntnis, dass sich die Geschichte wiederholt und die Frauen der jüngeren Generation wenig bis gar nichts von den Kämpfen ihrer Vorgängerinnen erzählt bekommen haben.
Und was die Zusammenarbeit betrifft: Wir haben doch einige Jahren am Film gearbeitet. Viel Herzblut war dabei – aber auf die Blutwiese haben wir verzichtet. Die Zusammenarbeit war top und wichtig, um so ein Riesending zu stemmen. Innerhalb unseres Regie- und Produktionsduos hat‘s einfach gepasst, und rund um uns stand ein fantastisches, professionelles Team. Das beste, das man sich nur wünschen kann.
Tanja Brandmayr: Auch ich kann das nur bestätigen – die Zusammenarbeit mit Claudia, und auch innerhalb unseres Teams war großartig. Es war ein wirklich langer und intensiver Prozess, der immer wieder Extraschleifen der Bearbeitung erfordert hat. Franziska, die die Montage gemacht hat, kann ein Lied davon singen. Es war eine Herausforderung, in einem Haus mit einer so langen Geschichte, zwischen Kunst und Leben, zwischen Individuen und Kollektiv, zwischen Privatem und Politischem die feministische Schneise zu schlagen. Ich denke, wir haben in mehrerlei Hinsicht den Rahmen gesprengt – alleine mit unseren vielen eingeladenen Protagonist:innen. Diese waren aber natürlich zentral wichtig! Auch um eine erzählende »Superposition« herstellen zu können. Der Witz ist, dass es eigentlich noch viel mehr hätten sein können. Und der Trick war, es so zu machen, dass Weitererzählungen auf vielen anderen Ebenen möglich sind. Unsere eigene Involvierung war wichtig, um die vielen Themen überhaupt erfassen und framen zu können. Claudias Involvierung seit den frühen Jahren von Radio FRO zum Beispiel, meine Involvierung als derzeitige Leiterin des Hauses. Es gibt keine Neutrum-Stellung innerhalb dieser Konzepte, und es wäre der allergrößte Irrtum zu meinen, dass es das geben könnte oder sollte.
Das Projekt wollte auch Themen und Kontinuitäten in den Raum stellen, die die lokale Bedeutung übersteigt. Feminismus, klar. Aber was ist ein feministisches Kontinuum in einem Konzept von Kunst und Leben? Wie sieht es mit diesen frühen Konzepten von Nicht-Herrschaft aus? Wie kann überhaupt Geschichtsschreibung von so genannten Subkulturen verortet werden? Zeitgeschichte, Stadtgeschichte, undundund. Sowie die ganz große Frage, zentral für ein Haus wie die Stadtwerkstatt: What the fuck ist überall mit der Medienkunst passiert? Der Witz ist, dass gerade die feministische Perspektive diese vielen ineinander verschränkten Themenstellungen erst ermöglicht hat. Um es so zu sagen: Wieder einmal hat der Feminismus alles gerettet!
Übrigens war es schön zu sehen, wie zentral der Feminismus zu Beginn des Hauses verortet war, oder dass etwa wirklich schon von Beginn an Transpersonen hier waren … … Und, weniger schön: Dass sich ein Faktor von Dominanz und Verdrängung durchgezogen hat, nämlich die
wiederkehrende zentrale Aussage von mehreren eingeladenen Protagonistinnen: »Ja, es waren natürlich immer Frauen da, die ganz zentral mitgearbeitet haben. Aber wenn es um Kunst und Bedeutung gegangen ist, sind auf einmal die Männer wieder ganz vorne gestanden.« Bis heute ist dieser Zugriff der Männer auf die Kunst und Geschichte des Hauses spürbar … Allerdings haben zwei meiner aktuellen Kollegen gesagt, erste Meldung zu Beginn: Das Projekt ist eines der wichtigsten Projekte des Hauses. Zweite Meldung, zu Fertigstellung: Es ist nun DER Stadtwerkstatt-Film geworden.
Wir möchten nun die Menschen einladen, mit uns den Film anzusehen und den Feminismus und das viele Herzblut auf den Herzblutwiesen der Subkulturen zu feiern! Alle, die in der Stadtwerkstatt jemals gearbeitet haben, alle, die vorkommen und auch alle, die nicht vorkommen, weil es sich einfach nicht ausgegangen ist, die 1000 Menschen, Freund:innen und Assoziierten zu zeigen. Es sind jedenfalls alle mitgemeint – um den Joke hier auch noch zu machen.